Aachener und Toledaner


Der Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Aachen-Toledo e.V. hat zur Zeit ca. 200 Mitglieder aller Altersstufen.


Der neue Vorstand möchte der Städtepartnerschaft „individuelle Gesichter“ geben.

Wir interviewen Menschen in Toledo und Menschen in Aachen, wir möchten wissen, wie es sich hier und dort lebt, was die einzelnen von der jeweiligen Partnerstadt wissen (und wissen möchten) etc. Vielleicht entstehen auch so Annäherungen, Interessen, Kontakte, freundschaftlicher Austausch…Hier ein paar Beispiele:


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Persönliche Daten:

LUIS ACOSTA

1952 Geboren in Mijares (Avila)

Verheiratet, ein Sohn .

Künstler-Maler von Beruf

Lebte in Asturien bis 1985, zog nach Toledo, wo er derzeit wohnt.

Autodidakt, besucht die Kunstschule in Gijon und die Schule für Kunst und Handwerk in Salamanca.

Welches Thema ist für Sie z. Zt. besonders wichtig?

Ich fühle eine besondere Neugier für alles was mit meinen Beruf zu tun hat und mit der Entwicklung der Kunst im Allgemeinen, aber auch mit der Akzeptanz der Malerei heutzutage, in der die neuen Technologien eine wichtige Rolle spielen.
Ein weiterer Punkt der mich stark beschäftigt, ist die Besorgnis erregende Lage und Entwicklung der internationalen Politik.

Was gefällt Ihnen am besten in Aachen?

An Toledo gefällt mir persönlich alles das was jeden Besucher auch gefällt, die historische Vergangenheit. Die Stadt ist in sich selbst ist ein Kunstwerk und ich bin neugierig auf die Zukunft. Natürlich muss man auch die geographische Lage der Stadt hinsichtlich der Nähe zu Madrid betrachten sowie den Strukturwandel und die kulturelle und soziale Entwicklung, die derzeit in der Stadt Toledo stattfinden.

Was wissen Sie von Aachen, Partnerstadt von Toledo?

Es ist das zweite Mal, dass ich Aachen besucht habe. Beeindruckt hat mich vor allem die Geschichte im Zusammenhang mit Karl dem Großen sowie die Architektur der Stadt mit ihrem einzigartigen Dom.
Das Museum Ludwig Forum Aachen als einen wichtigen Beitrag des Mäzenatentums für die zeitgenössischen Kunst.
Den Karlspreis, die Thermen...
Die Lebendigkeit der Stadt und ihre abwechslungsreiche Umgebung.

Wenn ich eine gute Fee mit einem Zauberstab wäre, was sollte ich jetzt für Sie zaubern?

Da es sich um einen Wunschtraum handelt, bitte ich um den Weltfrieden für das Wohl der Menschen um mich herum.


Birgit König,

50, Aachen, freischaffende Künstlerin (Malerei und Rauminstallation) keine Hobbies begegne gern unterschiedlichen Menschen, mag gute, auch ernste und kontroverse Gespräche über Poltik, Kunst, Gesellschaft am Tisch bei gutem Essen und Trinken, koche auch gern, reise gern, neuerdings entdecke ich die Natur wieder per Fahrrad, mag gute Bücher, lese aber zu selten.

Welches Thema ist für Sie z. Zt. besonders wichtig?
Mein Beruf, dessen Weiterentwicklung mir ständige Veränderungen abverlangt Politisch interessiert mich der Wandel der Gesellschaft im 21. Jahrhundert, seine positiven wie auch seine negativen Erscheinungen.

Was gefällt Ihnen am besten in Aachen?

Dass ich über die Jahre so viele interessante Menschen hier kennen und schätzen gelernt habe, die mich die "Abwesenheit eines Flusses", der die schöne Lage inmitten der unterschieidlichen Kulturlandschaften hier im Dreiländereck perfekt ergänzen würde, haben verkraften lassen.

Und die sonnigen Tage wie z.B.diese goldenen Oktobertage, in der die Stadt einfach wunderschön ist und die das häufige regengrau vergessen lassen.

Was wissen Sie über Toledo, Aachens Partnerstadt?

Ich war im September wegen meiner Ausstellung in Toledo und habe die komplexe Geschichten (Judentum, Islam und Christentum) der Stadt vor allem in den städtbaulischen Erscheinungsformen entdeckt und genossen. Es war ein Luxus fast wie die Menschen dort in der Stadt zu leben und jeden Tag "zur Arbeit" zu gehen und nicht zum Touristenstrom zu gehören. Alle mit denen ich zu tun hatte, gaben mir das Gefühl, einfach dazu zu gehören.  Der Massentourismus war manchmal etwas anstrengend. Dennoch leben und arbeiten die Leute auch ganz normal in der Altstadt. Trotz des enormen "Weltkulturerbes" wirkt Toledo nicht wie ein "Freilichtmuseum" und steckt voller Gegensätze. Mich haben besonders auch die schäbigeren, menschenleeren Ecken interssiert und zu einem künstlerischen Projekt inspiiriert.
Die Menschen dort habe ich als sehr offen, gastfreundlich erlebt und auch so ausgesprochen europäisch wie ich Spanien insgesmat erlebe. Ich wurde spontan in Familien eigeladen, hab wunderbar gegessen und alle haben sich bemüht so gut es ging zu kommunizieren, um sich kennenzuleren. Sieht so aus als hätte ich Freunde, verwandte Geister und Kollegen dort gefunden.

Meine Zeit in Toledo war großartig und erfolgreich.

Wenn ich eine gute Fee mit einem Zauberstab wäre, was sollte ich jetzt für Sie zaubern?

Mir ein bequemes Auto und ein entsprechendes Budget zur Verfügung stellen, Kontakte für weitere internationale Ausstellungen herstellen und mich auf die Reise schicken. Toledo darf sehr gern auch wieder auf meiner Reiseroute liegen.


ROBERTO CAMPOS GOMEZ,

38 Jahre, verheiratet,

Künstler,

Diplom-Künstler

 

Welches ist für Sie zur Zeit das wichtigste Thema?

Beruflich die Architektur, das Städtewesen und die Beziehung beider mit dem Individuum. In Bezug auf das Leben generell interessieren mich die Kohärenz des menschlichen Wesens mit seinen Prinzipien und der Respekt Anderen gegenüber.

Was gefällt Ihnen am meisten an Toledo?

Seine begehbaren Dimensionen, seine Geschichte und eine gewisse Art dörflichem Lebens haben für mich ihren Reiz.

Was wissen Sie von Aachen, Partnerstadt von Toledo?

Die Gastfreundschaft ihrer Einwohner, die Qualität der Thermalbäder seit der Antique, ihren keltischen /römischen Ursprung etd. Karl der Große, die palatinische Kapelle, das Ludwig Forum, die Herstellung von Regenschirmen und Schokolade.etc.

Wenn ich eine Fee wäre mit einem Zauberstab, was würden Sie sich wünschen?

Weniger Angeberei seitens der Politiker, die uns regieren und auch in diesen einen größeren Realitätssinn sowie mehr Feingefühl der Menschen, außerdem natürlich das Ende von Hungersnot in der Welt, von Kriegen etc.


Fritz  ter Wey,  

Professor für Chordirigieren an der Hochschule für Musik in Detmold,  verheiratet, zwei fußballbegeisterte Söhne (9 und 11 Jahre), wohnhaft in Aachen.

Welches Thema ist für Sie z. Zt. besonders wichtig?

Die Familie (natürlich nicht nur z. Zt.!) und meine Musik, meine Chöre (Der Junge Chor Aachen/ modus novus-Chor/ Kammerchor der Hochschule für Musik, Detmold, meine Studenten, meine Konzerte und Konzertreisen.

Was gefällt Ihnen am besten an Aachen?
Aachens internationales Flair dank seiner Grenzlage, die eine große Chance ist. Aachen als "junge" (die Lebendigkeit durch 35.000 Studenten!) und als traditionsreiche Stadt (Aachens Geschichte, stellvertretend repräsentiert durch Dom und Rathaus.)

Was wissen Sie über Toledo, die Partnerstadt von Aachen?
Ich hatte das Glück, mit dem Jungen Chor Aachen und dank der Vermittlung durch den Toledoverein, schon zweimal in Toledo zu sein. Die Stadt mit ihrer beeindruckenden Kathedrale und ihrem unzerstörten historischen Ambiente hat mich sehr begeistert. Meine Sänger und ich fanden es großartig, in dieser wunderbaren Stadt konzertieren zu dürfen.

Wenn ich eine gute Fee mit einem Zauberstab wäre, was sollte ich jetzt für Sie zaubern?

Ich würde gerne eine Zeitreise ins Jahr 1520 machen und als Zaungast bei den Krönungsfeierlichkeit von Karl V. dabeisein und der prachtvollen Musik des 16. Jahrhunderts lauschen!

 


Cesáreo Morón Pinel

Geboren in und wohnhaft in La Puebla de Montalbán  (Toledo).
Alter: 61 Jahre
Familienstand: verheiratet
Beruf: Lehrer Educación General Básica  /Hauprschule
(jetzt im Ruhestand)

Vorsitzender des Kulturvereins  "Semillas del Arte"

 

Welches Thema ist für Sie z.Zt. besonders wichtig?

Der Friede. Mit diesem Thema als Hintergrund richte ich meine Aufmerksamkeit speziell auf die Bevölkerungs-Entwicklung, die Migration und ihre kulturelle Adaptation.  Eng damit in Zusammenhang steht die Frage, wie ein friedliches Miteinanderleben von sozialen Extremen möglich gemacht werden kann.

An zweiter Stelle stehen die Umwelt und der Umweltschutz

Was gefällt Dir am besten an Toledo?
Der Erhalt des historischen Stadtbildes. Wenn wir durch die Straßen Toledos spazieren, erinnern wir uns an das Zusammenleben der drei Kulturen, seiner Konzile und seiner Übersetzerschule: Die kulturelle Verflechtung, die wir von unseren Ahnen geerbt haben.

Was wissen Sie über Aachen, Toledos Partnerstadt?
Das, was man als Tourist in Aachens Kathedrale beobachtet: Karl der Große und die Marienwallfahrten. Und im Rathaus: der Karlspreis und dessen europäische Konzeption. Aachens Brunnen und Denkmäler, die Universität...Das wenige, das ich während meiner kurzen Besuche zusammen mit unserem Kulturverein kennenlernen konnte, ist weniger wichtig. Wichtig sind für mich der Friede, die Ruhe und Gelassenheit, die man einatmet, wenn man durch Aachens Straßen im Stadtzentru spaziert, und die herzliche Aufnahme, die uns die Mitglieder des Aachen-Toledo-Vereins und der in Aachen lebenden Spanier in ihrer herrlichen Stadt bescheren.

Wenn ich eine gute Fee mit einem Zauberstab wäre, was sollte ich jetzt für Sie zaubern?

Den freien Austausch an Wissen und Gütern, damit die ganze Welt davon profitiert und sich daran erfreuen kann, und zwar in Harmonie und einem perfekten Zusammenleben. Die Gabe zu besitzen, anderen Verständnis und Toleranz zu vermitteln.

(Übersetzung: Conchi Talavera)


Bertold Botzet,

45 Jahre, geboren in Graach an der Mosel, studierte Kirchenmusik,  Orgel und Dirigieren in Aachen und Düsseldorf.

Lebt seit 5 Jahren mit seiner Familie in Aachen.           
Er ist Kapellmeister am Aachener Dom, verantwortlich für die musikalische Ausbildung der Domsingknaben, und Leiter des Domchores.

Was ist für Sie z. Z. das wichtigste Thema?
Im kommenden Jahr findet in Aachen wieder eine Heiligtumsfahrt statt. Seit dem 14. Jahrhundert lädt das Domkapitel alle 7 Jahre Pilger aus fast ganz Europa zu dieser Wallfahrt ein.
Aus dem Marienschrein werden dann die Heiligtümer entnommen. Sie werden den Gläubigen feierlich gezeigt und als das Kleid Mariens, als die Windeln und das Lendentuch Jesu und als das Enthauptungstuch Johannes des Täufers verehrt.
Ich versuche natürlich mit dem Medium Musik die Menschen auf „Tuchfühlung mit Gott“ zu bringen, so wie es der verstorbene Aachener Bischof Klaus Hemmerle einmal gesagt hat.
Der Dom erhebt sich dann, gefüllt mit großartiger Musik, wie beispielsweise der Johannespassion und dem Magnifikat von J. S. Bach, dem Messias von G. F. Händel und der Marienvesper von Cl. Monteverdi, zur klingenden Kathedrale.

Was gefällt Ihnen am besten an Aachen?
Viele unserer musikalischen Gäste bezeichnen den Aachener Dom als den schönsten Musizierraum der Welt. Dies macht mich natürlich stolz, denn ich musiziere ja regelmäßig mit meinem Domchor in der Liturgie und in Konzerten in diesem mittlerweile schon über 1200 Jahre alten Bauwerk, das wirklich eine edle Akustik und eine einzigartige Architektur hat. Am schönsten finde ich im Dom die Stelle hoch oben an der Hochmünsterorgel, über dem goldenen Altar, wo sich die helle hohe gotische Chorhalle mit dem massiven karolingischen Oktogon verbindet. In der Kathedrale von Toledo gibt es 11 Orgeln. Wieviele Orgeln gibt es im Aachener Dom? Es gibt zwei „Werke“ (Klangkästen) für das Oktogon und ein neueres „Werk“ in der Mitte für die Chorhalle, alle drei werden von einer Konsole  aus bespielt. Unten gibt es noch eine kleine italienische Orgel aus dem 19. Jahrhundert und in der Nikolauskapelle für Kammermusik ein „Orgelpositiv“, bei dem die Pfeiffen nicht sichtbar sind, weil sie unter dem Spieltisch angeordnet sind. Der Dom hat also fünf Orgeln (der Dom ist ja auch wesentlich kleiner als die Kathedrale von Toledo).

Was wissen Sie über Toledo, die Partnerstadt von Aachen?
Leider viel zu wenig. Ich weiß nur, dass es in Toledo eine bedeutende mittelalterliche Kathedrale gibt, die in mitten einer fast unberührten zauberhaften Altstadt liegt und dass der Erzbischof von Toledo auch der Primas von Spanien ist. Gehört habe ich auch, dass es wohl an der Kathedrale einen lustigen Wasserspeier in Form eines Dudelsackspielers gibt.
Ich nehme mir aber fest vor, bald mit dem Aachener Domchor Toledo zu besuchen und dort in der Kathedrale zu singen.

Wenn ich eine gute Fee wäre, was sollte ich jetzt für Sie zaubern?
Unsere Gesellschaft sollte endlich verstehen, dass die aktive Beschäftigung mit Musik und Gesang für die Persönlichkeitsbildung unserer Kinder von größter Wichtigkeit ist. Auch interdisziplinär, also Fächer übergreifend wirkt sich das Musizieren positiv aus. Und dies ist keine neuzeitliche Erkenntnis. Selbst der größte deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe schreibt schon: „Bei uns ist der Gesang die erste Stufe der Bildung, alles andere schließt sich daran an und wird dadurch vermittelt.“ Die Musik muss also in unseren Schulen eine viel größere Beachtung und Förderung finden.

(Die Fragen stellte: Ingrid R.S.) 

 


ana

Ana Maria Nieto, 43 Jahre,
Toledanerin, geboren und aufgewachsen im
Schatten der Kathedrale von Toledo.
Heute lebt sie mit ihrem Mann und den Töchtern
Ana (16 Jahre) und Silvia (12 Jahre) im
Vorort von Toledo.
Sie pendelt täglich in die Altstadt, wo sie als
Hilfskraft im Hotel Las Conchas (in der Nähe
des Zocodover und des Alcazar) arbeitet.

 

Welches Thema beschäftigt Dich zur Zeit am meisten?
In Ferien fahren! Wir reisen nach Marokko, am 1. Juli, mit der ganzen Familie. Ahh! Ausspannen!Das wird unsere erste Reise in dieses Land sein. Für mich ist auch gerade das Thema Sicherheit sehr wichtig, besonders die Sicherheit meiner Töchter…es ist schwierig, besonders mit der Älteren.
Als Mutter muss ich sehr vorsichtig sein. Ich mache mir auch Sorgen um die Erziehung und die Situation in den Schulen. Und zuletzt hält mich auch der Gesundheitszustand meines Vaters in Anspannung – er ist 82 Jahre alt und leidet unter Blasenkrebs.

Was gefällt Dir am besten an Toledo?
Ohja, die Gassen, seine Geschichte und Legenden – ich weiß nicht, da gibt es so vieles…Toledo
ist eine so mitreißende Stadt! Im Ernst, wenn man wie ich sein ganzes Leben hier verbringt,
kann man all diese Dinge schätzen. Hier ist alles Geschichte, jeder Winkel, jede Gasse hat so viel
Charme… Wir haben Glück, in einer Stadt wie Toledo leben zu können, aber wirklich! Mir persönlich gehen die großen Städte auf den Geist, so viele Leute, so viel Lärm, das gefällt mir nicht.

Weißt Du etwas von Aachen?
Wir sind Partnerstädte, nicht wahr? Viel mehr weiß ich nicht, aber mein Vater war viele Jahre lang
Polizist und Eskorte von verschiedenen Bürgermeistern. Er hat mir erzählt, dass er die Vertreter der Partnerstädte gekannt hat, auch die von Aachen.
Heute habe ich nicht viel Zeit weiter darüber zu sprechen, denn unser Arbeitszeitplan ist ein bisschen eng. Wir haben nur einen Tag in der Woche frei und nur ein Wochenende im Monat. Wenn ich nach Hause komme, ist es schon 16 Uhr und ich habe noch nichts gegessen. Mein Mann und meine Töchter erwarten mich dann schon und ich arbeite zu Hause weiter. So habe ich wenig freie Zeit für kulturelle Dinge. Trotzdem werde ich gerne die Broschüre über Aachen lesen, die Du mir gegeben hast. Ich begeistere mich für die Geschichte, die Bräuche und Besonderheiten der verschiedenen Völker.

Wenn ich eine Zauberfee wäre, was würdest Du Dir wünschen?
Olala, da würde ich mir viele Dinge wünschen, einige für meine Stadt wie z.B. die Verbesserung der grauenvollen Verkehrssituation, die ein großes Handicap für Toledo ist. Man kann fast überhaupt nicht parken. Ich lasse mein Auto immer unten am Fluss stehen und muss jeden Tag einen Berg erklimmen, um zum Hotel in der Altstadt zu kommen.
Dann würde ich darum bitten, dass die Lebenshaltungskosten ein wenig sinken. Mit dem Euro ist
alles viel teurer geworden.
Für meine Familie würde ich vor allem Sicherheit und Wohlstand erbitten. Gott-sei-Dank geht es uns gut. Wir haben Arbeit und sind gesund, aber ein bisschen Hilfe kann man immer brauchen, besonders in schwierigen Angelegenheiten, die ich nur schwer ertragen kann. Meinen Töchtern geht es im Moment gut und wir sind glücklich.

(Die Fragen stellte: Ingrid R.S.)

 


Ana Alcaide, 29 Jahre, geb. in Madrid,
wohnt seit 5 Jahren mit ihrem Partner in Toledo.
Musikstudentin (Violine und Viola),
von September 2006 bis Mai 2007 wird sie
in Malmö/Schweden studieren und den
„Bachelor“-Abschluß machen.
In Schweden hat Ana die „Viola de Teclas“
entdeckt, ein mittelalterliches Instrument,
das sie auf dem Foto spielt.
Anas erste CD (Januar 2006) mit spanischer
Musik (Castellanas und Sefardíes) hat sie „der Stadt und den Menschen von Toledo“ gewidmet.

Welches Thema beschäftigt Dich zur Zeit am meisten?
Die Wahrheit ist, dass ich am allermeisten daran interessiert bin, ein ruhiges und gelassenes Leben zu führen, denn wir leben in einer sehr verrückten Welt. Mich beschäftigt die Frage, wie ich meine Ruhe, meinen Frieden finden kann, und dass ich mich nicht anstecken lasse von dem Stress in meinem Umfeld. Ich möchte Sachen machen, die mir helfen an die Kraft zu glauben, die jeder in sich trägt, an mich selbst zu glauben und in kleinen Schritten meine Ziele zu erreichen.
Außerdem: Mein Leben ist nicht einfach, denn ich habe keinen beständigen Job. Meine Musik
ist nicht kommerziell, aber sie ist die, die ich machen möchte. Es ist schwierig, ein solches Leben zu führen, ohne externe Sicherheit. Die Sicherheit muss in mir selbst sein. Ich muss sehr daran arbeiten, um dieses Selbstvertrauen zu erreichen. Es macht mir Sorgen, wie es weitergehen soll, wie ich im Lot sein kann mit der Welt und mit mir selbst.

Was gefällt Dir am besten an Toledo?
Toledo ist für mich die Stadt, die mir viel Ruhe und Inspiration gegeben hat, denn ich bin in Madrid geboren – eine Stadt mit vielen interessanten Seiten, aber ein Irrsinn. Für mich ist es sehr wichtig, in einem guten Ambiente zu leben. Das hat Auswirkung auf vieles, was man macht. An einem ruhigen und schönen Ort zu leben bewirkt, dass man Gutes und Schönes tun kann. Ich lebe in der Altstadt von Toledo, das ist sehr angenehm. Man hat den Eindruck, in einem Dorf zu wohnen.
Mein Lieblingsplatz in Toledo? Ich mag den Alcazar sehr, die öffentliche Bibliothek ist sehr gut und oben in der Cafeteria, hat man eine tolle Aussicht, man kann über ganz Toledo sehen. Die Stadtbibliothek von Toledo, im Alcazar, ist für Touristen verboten, aber wenn Du Dich tarnst
als Toledana  – nichts wie hin!

Was weißt Du über Aachen, Toledos Partnerstadt in Deutschland?
Ich weiß nichts, bedauerlicherweise, wie ungebildet! Vom Namen her – „Aquisgrán“ – hätte ich nicht gedacht, dass es in Deutschland liegt. Die Übersetzung des Namens ist sehr verschieden – „Aachen“, „Aken“ – in jeder Sprache klingt das ganz anders. Aber ich wüsste gerne mehr darüber, jetzt, da Du mir von deiner Stadt erzählst. (Ingrid hat Ana gefragt, ob sie ein Konzert in Aachen geben möchte. Ana hatja gesagt…)

Wenn ich eine Zauberfee wäre, was würdest Du Dir wünschen?
Für mich oder für wen? - Hmhm – Nun gut, für mich würde ich mir wünschen, mehr Kraft zu haben in manchen Augenblicken, in Momenten der Unsicherheit oder in schwierigen Situationen.
Manchmal fehlt mir die Stärke das zu tun, was notwendig ist.
Außerdem würde ich mir Gelassenheit wünschen, gelassen sein ist für mich sehr wichtig. Das Hier und Jetzt mit allen Sinnen leben, jeden Moment versuchen auszukosten und weder an die Zukunft noch die Vergangenheit denken, in der Gegenwart zentriert sein, in diesem Moment glücklich sein – das ist mein wichtigstes Ziel.

(Die Fragen stellte: Ingrid R.S.)


Manuel Rodríguez Fernández, 80 Jahre,
auf dem Foto zusammen mit seiner Frau,
Emilia Moreno Lorenzo. Gitarrenbauer.
Seniorchef der Gitarrenfabrik in Esquivias/Toledo.
Sein Großvater, Manuel Rodríguez Marequi,
war ein berühmter Flamenco-Gitarrist in Cádiz.
Sein Vater, Manuel Rodríguez Pérez war ein
bekannter Gitarrist in Madrid und Paris.
Don Manuel begann als Lehrling in der Werkstatt
seines Vaters und baute seine erste Gitarre im
Jahr 1945. Er hat 15 Jahre in Los Angeles gelebt,
wo er Gitarren für die Filmindustrie baute. Dort wurden seine beiden Söhne Manuel jr. und Norman geboren, die heute mit ihrem Vater die Fabrik bei Toledo leiten.

Was ist für Sie zur Zeit das wichtigste Thema?
FRIEDEN! Ich habe Angst vor denen, die so etwas wie die „kleinen Hitler“ sind – in Afrika, in
Spanien, in Cataluña, in Deutschland, in Ex-Jugoslawien, in Israel – es gibt sie überall. Das ist
das Schlimmste auf der Welt! Heute geht alles leichter dank der modernen Kommunikation: Mit
ihren Mobil-Telefonen nehmen sie Kontakt zu den anderen „Hitlers“ in der Welt auf und das Üble vervielfältigt sich. Das ist das Thema, das macht mir große Sorgen.

Was gefällt Ihnen am besten an Toledo?
An Toledo gefällt mir alles: Die Kathedrale, die Casa del Greco, die Straßen – und das Essen!
Davon mag ich vieles: die guten Weine, den köstlichen Schinken, die Wurst von guter Qualität
und all das. Hier in Esquivias sind wir nah dran, ungefähr 20 Minuten über die Autobahn. Aber wir fahren nicht oft nach Toledo hinein, wir haben zu viel zu tun mit der Gitarrenfabrik. Hier arbeiten 30 Leute und wir sind dafür verantwortlich, dass alles gut läuft. Aber ja, Toledo ist ein besonderer, ein magischer Ort!

Was wissen Sie über Aachen, Toledos Partnerstadt in Deutschland?
Ich bin in Europa viel herumgekommen, denn als wir anfingen Handel zu treiben, haben wir einen Lastwagen mit Gitarren gefüllt und die Geschäfte in vielen Ländern abgefahren. Europa ist voller Schätze, es gibt viele Toledos, viele Londons, viele wertvolle Orte. An Aachen kann ich mich nicht gut erinnern, es ist so viele Jahre her, dass ich diesen Teil Deutschlands bereist habe. Nach Frankfurt kommen wir jedes Jahr, auf die Messe, aber wir reisen im Flugzeug an und haben keine Chance, viel mehr zu sehen als den Flughafen, das Hotel und die Messehallen – wie bedauerlich!

Wenn ich eine Zauberfee wäre, was würden Sie sich wünschen?
Ich würde um mehr gesunden Verstand für die ganze Welt bitten, für unseren Präsidenten zum
Beispiel… Na gut, für mich selbst würde ich mir wünschen, meine Enkel noch aufwachsen sehen zu dürfen. Jetzt sind sie zwei und vier Jahre alt, es dauert noch so lange… Es sind Jungs, schauen wir mal, ob sie auf dem Weg weitergehen (Gitarren bauen und ihnen ihren Namen und ihren Stempel aufdrücken), so wie es jetzt meine Söhne Manuel und Norman tun. Ich halte nichts von der automatisierten Fabrikation, meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass die Herstellung von Gitarren eine persönliche Kunst ist, in der jeder Gitarrenbauer seinen Geschmack und seine Form mit einbringt und so jedem Instrument seinen eigenen Ton gibt, den der Musiker kennen und schätzen lernen soll. Meine Söhne – und mit etwas Glück auch meine Enkel – müssen ihre Erfüllung beim Gitarrenbau wie im Leben allgemein finden, indem sie sich damit identifizieren. Um das zu erreichen, müssen sie die Herausforderung annehmen und das Beste aus sich herauslocken, um das optimale Ergebnis zu erzielen: eine wunderbare und schön anzusehende Gitarre.

(Die Fragen stellte: Ingrid R.S.)


 

 

 

Juan Carlos Riaguas López

35 Jahre, Schauspieler,

Theaterdirektor und Ausbilder.

Toledaner.

Was ist für Dich z.Z. das wichtigste Thema?

Mein aktuelles Thema, das mich im Moment am meisten interessiert, ist: Es hat einen Waldbrand in meiner Region Castilla la Mancha gegeben, bei dem zwölftausend Hektar Wald verbrannt sind.

Es ist ein Thema, das mich in dem Sinne interessiert, wie die Umwelt sich verändert, die Ökologie und unsere Umgebung.

Schon eine Legende sagt, dass einstmals ein Eichhörnchen Spanien durchqueren konnte ohne von den Bäumen heruntersteigen zu müssen.

Jetzt sind wir in einer Region, die Castilla la Mancha heißt, die ohne Zweifel völlig ausgedörrt und trocken ist, so dass wir mehr mit der Sahara vergleichbar sind als mit diesem Europa voller alter Wälder.

Was gefällt Dir in Toledo am besten?

Am besten gefällt mir die Stadt an sich, und zwar die gesamte Stadt. Sie hat die Mixtur aus den verschiedenen Kulturen und dem, was sie übriggelassen haben. Es gibt nichts, was im wahrsten Sinne nur aus einem architektonischen Stil resultiert oder das Symbol nur einer Zeit wäre. Alles ist in ein Umfeld gesetzt, das sich stetig ändert und das bewirkt, daß diese Stadt sich stark von den anderen unterscheidet. Sie hat dunkle Ecken, ihre Strassen sind ein Labyrinth, das wie ein Abbild arabischer Städte ist. Dazu gibt es römische Häuser, die jüdische Vorläufer hatten, es gibt archäologische Reste, und vor allem haben alle Winkel ihre eigene Legende, Anekdoten und Geschichten.

Was weißt Du von Aachen, Toledos Partnerstadt?

Also gut, von Aachen weiß ich, dass es eine Stadt ist, die sich im Nordwesten von Deutschland befindet, die Teil der Städte ist, die von Rom erobert wurden, dass es eine blühende künstlerische Stadt ist, dass es eine für Europa wichtige Stadt ist. In diesem Sinne hat sie auch ihre Preise wie den Karlspreis, und man bemüht sich darum, dass die europäische Kultur und der europäische Faktor wichtig bleiben. Von den Sehenswürdigkeiten kenne ich den Marktplatz, den Dom und außerdem noch einen Berg, auf den man mich mitnahm, auf einen Turm, der Umdrehungen macht. Wir waren auch an einer Stelle, wo Deutschland, Holland und Belgien aneinandergrenzen. Das gefällt mir, wie wir die Grenzen aufrechterhalten und sie gleichzeitig herunter reißen wollen!

Wenn ich eine gute Fee mit einem Zauberstab wäre, was würdest Du Dir wünschen?

Ich muss schon sagen, in Spanien wäre das ein Zusammentreffen mit einer Fee oder einem Kobold! In Spanien ist es üblich drei Wünsche zu äußern. Also, die ersten zwei weiß ich genau: Alle Sprachen sprechen und alle Instrumente spielen können – denn ich glaube, das Wichtigste ist die Kommunikation zwischen den Menschen. Der dritte Wunsch wäre wohl, dass ich zwar nicht gerade reich sein müsste, aber doch gerne eine Geldreserve hätte um würdig zu leben und dem zu helfen, der es braucht.

(Die Fragen stellte: Judith H.)

 


Annemarie Randschau

Rentnerin, 79 Jahre, gelernte Kinderkranken- und Krankenschwester, kam mit 25 Jahren nach Aachen, arbeitete bis zum Alter von 60 J. im Klinikum Aachen, wohnt seit über 40 Jahren nahe ihrer alten „Wirkungsstätte“

Welches Thema ist für Dich z.Z. besonders wichtig?

Die hohe Arbeitslosigkeit! Ich mache mir Gedanken über das Verhalten der Verantwortlichen in den Betrieben, auch z.B. hier im Bistum. Die Leute stehen auf der Strasse, vor dem Nichts. Und die Chefs fahren den Karren vor die Wand und gehen mit einer hohen Abfindung weg. Das ist ungerecht! Wo ist die Moral geblieben?! Viele Jüngere haben nicht gelernt, mit wenig auszukommen. Immer nur Geld schrabben! Es kann doch keiner was mitnehmen…

Was gefällt Dir am besten an Aachen?

Als ich mit 25 nach Aachen kam, vom Westbahnhof durch das Ponttor zum Markt spazierte, war mir sofort klar: Hier gefällt es mir! Die Stadt ist nicht zu groß, Düsseldorf (da bin ich geboren) oder Berlin (da bin ich aufgewachsen) wären mir zu groß. Aachen hat eine schöne „grüne“ Umgebung, man ist schnell im Wald. Ich wandere gerne, das haben wir früher schon mit den Eltern gemacht, ich laufe auch alleine, z.B. ins Hohe Venn, das macht mir keine Angst (Annemarie ist auch den Camino de Santiago gegangen, in 7 Etappen von Aachen bis Santiago, im Alter von 61 bis 67 Jahren!).

Meine Lieblingsecke in Aachen? Neben dem Dom, vor allem im Oktogon und der Schatzkammer, gibt es da eine Stelle im Von-Halfern-Wald, da hat man einen schönen Blick auf Aachen…

Was weißt Du über Toledo, Aachens Partnerstadt?!

Ich war schon vier mal in Toledo, 1995 zum ersten mal zu einem 3-wöchigen Sprachkurs. Die Stadt gefällt mir sehr gut: Die Mudejar-Kirchen finde ich beeindruckend, die alten Synagogen (die Tránsito und Sta. María la Blanca). Auch das Verhalten der Spanier hat mich beeindruckt: Als der Sprachkurs anfing, mussten wir die ganzen Gebühren sofort bezahlen, aber es war Wochenende und die Banken hatten geschlossen. Unser Professor sagte: „No te preocupes. Ich zahle für Dich. Wenn du das Geld hast, kannst Du es mir zurückgeben.“ Hätte das hier jemand getan? Auf dem Pilgerweg nach Santiago habe ich ähnliches erlebt: Es gab zu wenig Schlafplätze und die Spanier gaben uns ihre Matratzen ab, schliefen selbst auf Isomatten. Diese Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft! Man lebt in einer Gemeinschaft, kann teilen und abgeben – es tut gut, das zu erleben.

Wenn ich eine Fee mit einem Zauberstab wäre, was sollte ich jetzt für Dich zaubern?

Dass ich noch lange sehen und bis an mein Lebensende lesen kann! Vor 4 Jahren wurde bei mir eine Augenerkrankung diagnostiziert, eine Makula-Degeneration, die irgendwann zum Erblinden führt. Es war ein Schock, als ich das erfuhr und man mir sagte: „Da kann man nichts machen!“

Aber man kann doch was machen: Akupunktur, Homöopathie, eine bestimmte Ernährung und zusätzliche Vitamine und Spurenelemente – Hoffnung…!.

(Die Fragen stellte: Ingrid R.S.) Traducción ­_


 

Sofia Cobo Pablos
27 Jahre alt, Studentin der Mathematik.
z.Z. Promotion in Mathematik an der Universität in Madrid.
Zusätzlich arbeitet sie 3 Tage/Woche bei einer „Consulting“-Firma in Madrid.
Sie lebt mit Eltern und Schwester im Zentrum von Toledo und pendelt täglich nach Madrid mit dem öffentlichen Bus.
Welches Thema ist für Dich z.Z. besonders wichtig?
Ich möchte meine Dr. Arbeit beenden, so ca. in den nächsten 2 Jahren. Dann möchte ich eine Stelle finden, die mir Spaß macht und mir auch noch Freizeit lässt.
Am liebsten hätte ich eine Stelle im Kulturbereich, nicht direkt in der Mathematik, vielleicht in Valladolid oder in Zaragoza. Wenn ich besser Deutsch könnte, würde ich mich auch in Deutschland bewerben können, z.B. habe ich eine Stellenanzeige für ein Lektorat in Bayreuth gelesen, das würde mir gefallen. (Im August d.J. wird Sofia einen Fortgeschrittenen-Kursus in Düsseldorf besuchen, sie kann schon sehr gut Deutsch.)

Was gefällt Dir am besten an Toledo?
Toledo ist sehr ruhig, nah bei Madrid, aber nicht zu nah. Wir wohnen in einem Haus mit Patio in der Nähe der Kathedrale. Das ist sehr romantisch, wenn wir die Glocken hören. Jetzt wohnen im alten Zentrum von Toledo nur noch 8.000 Leute, früher waren es mal 68.000. Die Menschen möchten lieber in den Vorstädten leben, weil es dort bequemer ist. Die Wohnungen sind modern, es gibt genug Platz für die Autos etc. Deshalb gibt es im Zentrum viele verlassene Häuser, die langsam verfallen. Na ja, für die jungen Leute ist Toledo manchmal ein wenig langweilig.

Was weißt Du über Aachen, die Partnerstadt von Toledo?
Ich war schon in Aachen: Der Dom ist toll! Im Krieg war wohl viel zerstört, aber es ist schön wieder aufgebaut worden. Das ist eine Stadt zum Leben, „gemütlich“, nicht wahr? Außerdem gefallen mir die Wälder in der Umgebung, z.B. bei Kornelimünster, diesen Ort finde ich auch sehr hübsch. Wenn ich das nächste mal komme, würde ich gerne in die „Thermen“ gehen.

Wenn ich eine gute Fee mit einem Zauberstab wäre, was sollte ich jetzt für Dich zaubern?
Bitte, halte die Zeit an! Nur ein wenig, ein paar Monate zum Überlegen, damit ich etwas nachdenken kann. Ich habe nicht genug Ruhe hinzufühlen, mir klar zu werden, was ist und was ich möchte.

(Die Fragen stellte: Ingrid R.S.)


Don Jaime León,

50 Jahre, geb. in Salamanca, studierte Theologie in Madrid und Paris, lebt in Toledo in der Calle Sta. Isabel. Er ist Priester und hat das Amt des Kapellmeisters und Organisten in der Kathedrale von Toledo inne.

Was ist für Sie z.Z. das wichtigste Thema?

Was mich am meisten interessiert, ist die Übermittlung des Glaubens durch die Musik. Mit Worten erreicht man häufig nicht den anderen, denn wir sind nicht in der Lage, uns mit Worten angemessen auszudrücken. Aber die Musik ist eine universelle Sprache – auch die Partituren: Jeder, der Musik studiert, sei er Chinese oder Russe, kann sie lesen.

Ich glaube, dass wir mit der Musik unsere Gefühle sehr viel intensiver ausdrücken können als mit Worten. Ich fühle mich als Priester, auch in der Musik. Barock ist meine Spezialität. Händel begeistert mich am meisten und Johann Sebastian Bach. Mein Hauptfach war spanischer Barock. Hier in Spanien haben wir gute und wenig bekannte Organisten aus der Zeit des Barock. Juan Bautista Cabanilles zum Beispiel, ein Organist aus Valencia, den man den „spanischen Johann Sebastian Bach“ nennt. Seine Kompositionen sind sehr elegant!

Was gefällt Ihnen am besten an Toledo?

Die Kathedrale – natürlich! Nun, in der Kathedrale haben wir sehr viele Schätze, es gibt s o vieles und alles ist s o gut, ganz unterschiedliche Stilrichtungen und aus vielen unterschiedlichen Epochen. Aber wenn ich etwas besonderes auswählen soll: In der Sakristei gibt es ein Bild, ein Gemälde von El Greco, „Der heilige Joseph und Das Kind“. Es ist kein sehr großes Bild, aber es ist ein Juwel. Mich begeistert die Komposition von El Greco, seine Art zu sehen – einfach großartig!

Was wissen Sie über Aachen, die Partnerstadt von Toledo?

Ich war zwei mal in Aachen, es ist eine Stadt, die mich begeistert. Sie hat so eine studentische Atmosphäre, die einladend ist. Die Beleuchtung der Gebäude in der Nacht ist ein besonderer Genuss. Einmal, als ich dort war und nicht schlafen konnte, schon spät in der Nacht, bin ich durch die illuminierte Altstadt gewandert, ich ganz allein durch die Straßen: wunderbar! Die Kathedrale ist kostbar, kleiner und ganz anders als die von Toledo, aber ein Juwel. Als ich sie zum ersten mal sah, sagte ich: „Das ist unbeschreiblich!“. Man muss sie mit eigenen Augen sehen, man kann es nicht beschreiben - sie ist ein Wunderwerk

Wenn ich eine gute Fee mit einem Zauberstab wäre, was sollte ich jetzt für Sie zaubern?

Uuiii!... sehr viele Sachen! Das wichtigste ist das zu übermitteln, was ich in meinem Glauben lebe, und zwar durch die Musik, die Möglichkeit meinen Glauben durch die Musik auszudrücken – in Spanien, in Deutschland, in Rom, überall wo es nötig ist. Im Seminar, ich bin Professor für Musik, ist die Musik- Technik wichtig, aber darüber hinaus möchte ich den Studenten vermitteln, dass die Musik ein macht- volles Instrument ist, um den Glauben und die Werte transportieren. Hier in Toledo gibt es 125 Seminaristen, die Klassen sind voll, ich weiß nicht wieso man hier die Nachwuchskrise der Kirche nicht spürt, vielleicht weil Toledo der Sitz des Erzbischofs von Spanien ist.

(Die Fragen stellte: Ingrid R.S.)

 

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